Die Trauer der Kinder
Wissenschaftler diskutieren häufig noch, ab welchem Alter Kinder trauern können. Die Praxis zeigt, dass schon Säuglinge mit Traurigkeit auf die Abwesenheit ihrer Bezugsperson reagieren. Kinder werden in ihrer Trauer leider oft alleine gelassen und schlucken ihre Trauergefühle oft herunter. Sie nehmen die Trauer der Erwachsenen wahr, möchten diese häufig schA?tzen und fühlen sich den trauernden Erwachsenen gegenüber unsicher.
Die Todesvorstellungen bei Kindern im Zusammenhang mit entwicklungspsychologischen Erkenntnissen!
Der Wissenschaftler William C. Kroen teilte die Entwicklung von Todesvorstellungen bei Kindern in folgende Altersstufen ein. Dieses Modell entspricht unseren Praxiserkenntnissen sehr gut.
- 0 Monate bis 10 Monate
- 10 Monate bis 2 Jahre
- 2-5 Jahre
- 6-9 Jahre
- 10 -12 Jahre
0 Monate bis 10 Monate
Der Tod der Mutter wird als Abwesenheit bemerkt, da sich die Tagesabläufe ändern.
10 Monate bis 2 Jahre
- Die Kinder sind nun in der Lage Gefühle zu äußern, die von liebe über Eifersucht und ärger bis hin zum Zorn reichen
- Neben der Mutter werden die anderen Familienmitglieder differenzierter erkannt und der Kontakt zu ihnen wird enger.
- Die Sprache und das Gedächtnis entwickeln sich in dieser Phase sehr intensiv fort. Die Kinder sind nun stark auf sprachliche Wiederholungen von Seiten der erwachsenen fixiert, deren stimme ihnen vertraut ist.
- Die Kinder sind das erste Mal in der Lage, sich von zu hause zu lösen, wenn sie z.B. in den kindergarten gehen
- Sie nehmen sich als Individuum wahr
Ein Todesbegriff lässt sich noch nicht feststellen. Der Tod der Mutter ist für das Kind der größte Verlust, während der Tod eines anderen Familienmitgliedes nicht so intensiv wahrgenommen wird.
2-5 Jahre
- Die Wahrnehmungsweise der Welt und die Vorstellungen über sie ändern sich.
- Die Kinder wirken häufig egozentrisch.
- Ihre Neugier kennt keine Grenzen.
- Gesprochenes wird von ihnen oft wörtlich genommen.
In der Trauerbegleitung bedeutet das: Bitte konfrontieren sie die Kinder nicht mit ungenauen Erläuterungen und bildlichem Sprechen, da sie das verwirrt.
Kinder dieser Altersstufe sehen im Tod etwas, was vorübergeht. Sie sind der überzeugung, dass ein Verstorbener wiederkommen kann. Kinder stellen sich nun vor, dass ein verstorbener Mensch noch denken und fühlen kann.
Von Kindern in der Altersstufe zwischen 2 und 5 Jahren vernimmt man schon mal den Satz Du sollst tot sein. Da sie aber die Vorstellung haben, das die Toten noch irgendwo sind, meinen sie mit diesem Ausspruch eher „Geh weg und lass mich in Ruhe
Kinder diesen Alters äußern oft den Wunsch zu sterben. Bitte erschrecken sie nicht! Es ist davon auszugehen, dass die Kinder sich in diesem Moment von einer schwierigen Situation wegwünschen.
Kinder fürchten den Tod in diesem Alter nicht.
Entwicklungspsychologisch gesehen befinden sie sich im a�zmagischen Denkena�?. In dieser Phase empfinden sie sich als den Mittelpunkt der Welt und beziehen alles auf sich. Die Kinder glauen, alles beeinflussen zu können und meinen, dass intensive Gefühle und Gedanken ihrerseits, ihnen das bringen, was sie erreichen wollen. In Bezug auf den Tod ist hier Vorsicht geboten, denn Kinder können sich schuldig an dem Tod fühlen. So kann es sein, das sie der Meinung sind, ein Streit zwischen ihnen und dem Verstorbenen hätte zum Tod geführt, weil sie etwas Böses gesagt haben.
Es ist wichtig die Schuldgefühle der Kinder ernst zu nehmen – ihnen also z. B. zu sagen: Ich weis dass du dich schuldig fühlst. Genauso wichtig ist es im selben Atemzug aber auch klarzumachen, das das Kind nicht schuldig ist.
Das magische Denken beinhaltet bezüglich des Todes auch, dass ein Kind eine besondere Verbindung zum Toten fühlt. So kann es sein, das ein Kind die Vorstellung hat, der Verstorbene sitze auf einer Wolke beobachtet es und schA?tzt es. Kinder dieser Altersstufe erkennen nicht, dass auch sie einmal sterben werden, wissen aber um das Sterben älterer Menschen.
6-9 Jahre
Die Kinder haben nun die wichtigsten Entwicklungsschritte vollzogen, können mehr verstehen und sind innerhalb und außerhalb der Familie sozialisiert. Es ist ihnen nun möglich ihre Rolle in der Familie und dem sozialen Umfeld wahrzunehmen. Die Kinder erfassen Inhalte und verstehen sie. Sie begreifen wie wichtig es ist, das eigene Verhalten zu begreifen und zu kontrollieren. Die Kinder können nun Gutes und Schlechtes unterscheiden und beurteilen, was gut und was böse ist.
Am Tod haben die Kinder nun ein sachliches Interesse. Er unterscheidet sich nun für sie vom Leben. Sie möchten wissen, wie ein Toter aussieht, wie eine Beerdigung abläuft und was ein Friedhof ist. Das Verhältnis der Kinder zum Tod ist weniger distanziert als das von Erwachsenen zum Tod. Viele Erwachsene antworten den Fragen der Kinder leider nur ungern.
Die Kinder wissen, dass der Tod unumgänglich ist, meinen aber, dies gelte nicht für sie persönlich. Entwicklungspsychologisch gesehen können die Kinder nun die Phantasie von der Realität unterscheiden, und begreifen dadurch den Tod besser. Es ist aber noch nicht davon auszugehen, dass die Kinder den Tod akzeptieren, bzw. verständnisvoller damit umgehen können.
Auch Kinder erleben den Tod als Trauma. Die größte Angst der Kinder ist die Verlassensangst, die gerade durch den Tod eines Elternteils verstärkt werden kann.
Ca. im Alter von 8 Jahren begreifen die Kinder, das auch sie sterben müssen und erfinden Regeln,die sie vor dem eigenen Tod schützen sollen. Das Gefahrenbewusstsein ist im alter von 6-9 Jahren weiterentwickelt. In dem Gefahren vermieden werden, fühlen sich Kinder sicher vor dem Tod. Ein zu starker Sicherheitswunsch kann das Alltagsleben nun sehr beeinflussen.
Da der Tod das Familienleben verändert, ist es wichtig, den Kindern zu verdeutlichen, in welcher Weise sie persönlich betroffen sind. Kinder dieser Altersgruppe haben Angst vom Freundeskreis ausgestoßen zu werden, weil dieser sie anders einstuft als vor dem Tod. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass auch die zuständigen Pädagogen helfend eingreifen.
Es können Gefühle wie Schuld, Ärger und Depressionen entstehen, womit Kinder überfordert sind. Im Spiel der Kinder sind z. B. Cowboy und Gangsterspiele oft zu beobachten, wo feindlich Gesinnte erschossen werden, um Macht und Stärke zu fühlen. Diese Spiele können dazu dienen, die Angst getötet zu werden zu verarbeiten.
10 -12 Jahre
Die Todesvorstellungen ähneln nun denen der Erwachsenen. Rituale wie die Beerdigung oder das Tragen von Trauerkleidung werden nun auf jeden Fall verstanden (auch schon viel eher). Die Kinder begreifen, warum jemand starb und auf welche Weise der Tod stattfand (auch dies ist schon eher möglich). Sie hinterfragen biologische Aspekte des Sterbens und wissen um die Auswirkungen des Todes auf die Familie.
Die Kinder sind in der Lage, sich mit verschiedenen Weltanschauungen und Kulturen auseinander zu setzen.