Die Phasen der Trauer bei Kindern und Erwachsenen
Kinder trauern!
Kinder haben Trauerphasen, wie die Erwachsenen. Diese Phasen treten nicht nacheinander auf, sondern trauernde Menschen erleben die Symptome dieser Zeiten gemischt an einem Tag. Wie lange die Trauer anhült, lässt sich eigentlich nicht festlegen. Jeder Mensch trauert anders. Im Folgenden werden die Phasen der Trauer nach Gertraud Finger kurz mit ihren Symptomen benannt.
1. Die Zeit des Leugnens
- Trauernde Menschen neigen oft zur Ungläubigkeit und der Tod wird abgestritten.
- Sie wirken stumpf.
- Die Trauernden sind erstaunt darüber, dass sie nicht weinen können und haben ein Gefühl der Leere.
- Der Tod lässt einen Gefühlsschock aus, der den Trauernden Empfindungslosigkeit durchleben lässt. Diese Empfindungen dienen dazu, die Tage nach dem Tod besser ertragen zu können.
2. Die Zeit der Gefühlsausbrüche
- Diese Zeit ist geprägt von aufbrechenden Gefühlen,
- Stimmungsschwankungen,
- Allgemeiner Reizbarkeit,
- Aggressionen gegenüber der Außenwelt durch Zorn, Wut und Schuldzuweisungen,
- Aggressionen gegen sich selbst durch Schuldgefühle,
- Aggressionen dem Verstorbenen gegenüber, weil er einen verlassen hat,
- Aggressionen gegenüber Gott, weil er den Tod des geliebten Menschen zugelassen hat.
Die Zeit der Gefühlsausbrüche beinhaltet für die Trauernden, sehr starke Stimmungsschwankungen zwischen Höhen und Tiefen. Sie empfinden ihre Gefühlswelt wie ein Chaos.
3. Die Zeit des Abschiednehmens
- Die Zeit des Abschiednehmens ist gekennzeichnet von Ruhelosigkeit,
- ziellosen Aktivitäten,
- der Unfähigkeit sich zu konzentrieren,
- Vergesslichkeit,
- dem Wunsch Erinnerungen aufzufrischen und vom Verstorbenen erzählen zu wollen.
- Trauernde Menschen möchten in dieser Zeit gerne gemeinsame Tätigkeiten wieder aufnehmen und
- haben das Bedürfnis zum Friedhof zu gehen.
- Sie führen Zwiegespräche mit dem geliebten verstorbenen Menschen und träumen von Begegnungen mit ihm.
Das gemeinsame Leben wird noch einmal nachvollzogen.
4. Die Zeit der Erschöpfung
- In der Zeit der Erschöpfung kommt es oft zum Rückzug,
- zur Abnahme des Kontaktes nach Außen
- zu Erschöpfung,
- zu Hilflosigkeit und
- depressiven Verstimmungen.
- Es kann ein Gefühl der Leere aufkommen.
- Körperliche Erkrankungen können auftreten so wie
- Appetitlosigkeit.
- Es besteht die Gefahr des Nachsterbens.
- Bei Kindern kommt es häufig zu einem Rückfall in frühere Entwicklungsstufen.
5. Die Zeit des Neubeginns
- Die Realität des Todes wird anerkannt.
- Man entscheidet sich zum eigenen Leben und zur Neuorientierung.
- Es werden neue Rollen und Beziehungen gesucht
Die Trauernden machen nun die Erfahrung, dass ein Verstorbener in Ihrem Herzen weiterleben kann.
Hat Trauer ein Ende?
Das folgende Zitat von Siegmund Freud drückt unsere Einstellung dazu sehr gut aus: Man weiß, dass die akute Trauer nach einem solchen Verlust ablaufen wird, aber man wird nie ungetröstet bleiben, nie einen Ersatz finden. Alles, was an die Stelle rückt, und wenn es sie auch ganz ausfüllen sollte, bleibt doch etwas anderes.